
© Urheberrechtlich geschütztCDU-Falke Kiesewetter (KI-generiertes Symbolbild)
Von Wladislaw Sankin
Focus
Russisches Außenministerium bestellt deutschen Botschafter ein – Vorwurf der Terrorunterstützung
Radio Free Europe/Radio Liberty
Analyse Deutscher General zum Krieg mit Russland: Europa wird unvorstellbare Dinge erleiden
Immer weniger Unterschiede zur antirussischen Rhetorik des Dritten Reichs zeigt der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter (links). In der rechten Bildhälfte: NS-Propagandaminister Joseph Goebbels.Urheberrechtlich geschütz
Deutschland sollte dabei als Sieger über den Kommunismus dargestellt werden. Den Okkupierten sollte vermittelt werden, dass die Deutschen «[…] die Bringer der Freiheit wären». Auf keinen Fall durfte an die Öffentlichkeit gelangen, dass die «Ostländer» für das Reich letztlich nur Kolonien darstellen sollten.
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Nun aber die Frage: Wen vertritt der Berufsfalke Roderich Kiesewetter überhaupt? Sogar entschiedene Russland-Gegner wie Friedrich Merz und Johann Wadephul erscheinen im Vergleich zu ihm gemäßigt. Zwar erklärte Wadephul, Russland werde auf lange Sicht ein Feind Deutschlands bleiben. Doch zunächst wolle man schlagkräftige Waffen aufbauen und bis dahin keinen offenen bewaffneten Konflikt riskieren. Wenn alles nach Plan verlaufe, könnten die entsprechenden Fähigkeiten Anfang der 2030er Jahre bereitstehen. Kiesewetter hingegen will sofort «all in» gehen – also schon jetzt alles auf eine Karte setzen. Aus Sicht der Bundesregierung erscheint er damit eher als Hasardeur.
Andererseits pfeift ihn niemand zurück. Kiesewetters Auftreten bei einem Treffen in Kiew Mitte April, bei dem er tschetschenischen Separatisten Unterstützung versprach und den Zerfall Russlands als wünschenswert bezeichnete, führte immerhin zu einer Protestnote, die das Außenministerium in Moskau dem Botschafter Alexander Graf Lambsdorff überreichte. Nun legt Kiesewetter noch nach und ruft in seinem Beitrag faktisch zum Krieg gegen Russland auf. Doch wie ein durchgedrehter Einzelgänger wirkt der von vielen Medien hofierte CDU-«Außenexperte» keineswegs.
Im Gegenteil: Er könnte als Stimme eines beträchtlichen Teils des Bürgertums der «alten BRD» gelten. So schilderte der AfD-Abgeordnete Matthias Moosdorf ein Gespräch mit einem CDU-nahen Träger des Bundesverdienstkreuzes in höchster Klasse und Ehrenmitglied des Bundeswehrverbands – einem Unternehmer mit mehr als 5.000 Beschäftigten und engen Kontakten zu deutschen Spitzenpolitikern. Dieser habe die Russen als «Gesindel» bezeichnet, das «sämtlich» erschossen gehöre. Zudem freue er sich darüber, mit General Christian Freuding einen Offizier an der Spitze der Bundeswehr zu wissen, der die russische Infrastruktur in kurzer Zeit in Trümmer legen werde. Vor einem Atomkrieg mit Russland habe er keine Angst, weil Putin, den er als «Kinderschänder» bezeichnet habe, nur noch feige sei. So jedenfalls schätzten laut Moosdorf auch seine Freunde aus der High Society einer norddeutschen Großstadt die Lage ein.
Wie der weitere Verlauf der Diskussion auf X und später veröffentlichte Details zum Profil seines Gesprächspartners zeigen, gibt es aus Sicht des Autors wenig Anlass, an den Angaben von Matthias Moosdorf zu zweifeln. Seine Warnung wirkt daher nicht überzogen. Der Text macht deutlich, welche gesellschaftlichen Kräfte hinter dem gegenwärtigen, zunehmend radikaleren Kriegskurs Deutschlands stehen sollen: ein mit dem Militär verflochtenes, revanchistisch gesinntes Großunternehmertum.




