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Von Timofei Bordatschow
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Für China – eine Großmacht, die nach Ansicht vieler langfristig den wichtigsten strategischen Konkurrenten der USA darstellt – gaben die Ereignisse rund um Iran ebenfalls Anlass zum Nachdenken. Vor allem deshalb, weil Peking bestrebt ist, möglichst zurückhaltende, aber respektvolle Beziehungen zur derzeitigen US-Regierung zu pflegen. Doch allein die Tatsache, dass die USA einen Angriff auf Iran verübt haben, der gegen alle Normen des Völkerrechts verstößt, schränkt den Handlungsspielraum erheblich ein und zwingt Peking dazu, Washington kritischer zu betrachten und Zugeständnisse von ihm zu erwarten. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass diesem unprovozierten Angriff ein Zeichen offensichtlicher Schwäche der Amerikaner folgte. Darüber hinaus zwingt der erhebliche Schaden, den der Konflikt um Iran für die Weltwirtschaft und die Energieversorgung verursacht, China dazu, die Frage der Versorgungssicherheit etwas anders zu betrachten. Zumal chinesische Unternehmen viel in Iran und andere Länder des Nahen Ostens investiert haben und nun mit Sorge beobachten, wie verheerend die Folgen der politischen Ereignisse sein könnten.
Es scheint, dass China beginnen könnte, die Strategie seiner wirtschaftlichen Beziehungen zu abgelegenen und gefährdeten Regionen der Welt zu überdenken.
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Russland hingegen erschien vielen als die Partei, die von dem Konflikt profitierte. Tatsächlich führten die dramatischen Ereignisse rund um Iran zu einem erheblichen Preisanstieg bei den wichtigsten Exportgütern Russlands. Darüber hinaus veränderten sie die Rahmenbedingungen, unter denen sich eine Moskau eher tangierende außenpolitische Krise in Osteuropa entwickelt. Langfristig gesehen scheint Russland jedoch nicht an einem vollständigen Zusammenbruch des amerikanischen Einflusses im Nahen Osten interessiert zu sein – dieser ist in moderatem Umfang Teil jenes komplexen diplomatischen Gesamtbildes, das in Russland als Grundlage für eine vergleichsweise friedliche Entwicklung der Weltpolitik angesehen wird. Mit anderen Worten: Ein Angriff der USA und Israels auf Iran – und insbesondere ihr Scheitern bei der Erreichung ihrer Ziele – stellt bereits jetzt alle Großmächte vor neue Fragen und eröffnet ihnen in gewisser Weise Möglichkeiten für einen politischen Dialog. Diese Möglichkeiten zu nutzen, wäre für die internationale Politik insgesamt sehr nützlich.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. Mai 2026 zuerst auf der Homepage von «Russia in Global Affairs» erschienen.
Timofei Bordatschow ist Doktor der Politikwissenschaften, Professor, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für komplexe europäische und internationale Studien an der Nationalen Forschungsuniversität «Hochschule für Wirtschaft», sowie Programmdirektor des Internationalen Diskussionsclubs «Waldai».




