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Modernisierung oder Machtspiel? KI und die Zukunft der US-Flugsicherheit

Modernisierung oder Machtspiel? KI und die Zukunft der US-Flugsicherheit

Palantir könnte demnächst auch in der US-Flugsicherheit mitmischen (KI-generiertes Symbolbild).

Von Kalliopi Sioltsidou

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Dennoch ist richtig, dass sich dieser FAA-Auftrag in das Profil von Palantir und seinen Anspruch sehr gut einreihen würde. Das Unternehmen hat bereits einen Exklusivvertrag zur Datenmodernisierung mit der FAA abgeschlossen und seine Analyseplattform «Foundry» in FAA-Abläufe integriert. Ein weiterer Großauftrag würde Palantirs Präsenz in kritischer staatlicher Infrastruktur weiter zementieren. Für ein Unternehmen, das nach eigener Aussage «von der Fabrikhalle bis zur Frontlinie» operiert, wäre der Himmel über Amerika ein strategisch bedeutsamer nächster Schritt.

Europa: Sind wir auf demselben Kurs?

Wer auf Europa blickt, kann zunächst aufatmen. Erstens: Die europäische Flugsicherheitsstatistik ist erheblich besser als die amerikanische. Das europäische Luftraummanagement, koordiniert durch Eurocontrol und das SESAR-Programm (Single European Sky ATM Research), gilt als modernes, gut reguliertes System. Die europäische Luftfahrtsicherheitsbehörde EASA arbeitet seit Jahren an einem schrittweisen, zertifizierten Einsatz von KI in der Flugsicherung – planvoll und regulatorisch eingebettet.

Doch auch Europa ist nicht immun gegen die Trends, die in den bereits sichtbare Folgen haben. Der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften – Ingenieuren, Technikern, Fluglotsen – wächst auch hier. Und in einigen europäischen Ländern greift der Gedanke um sich, Diversitätsquoten auch in technischen Berufen und im Cockpit durchzusetzen. Das einzig legitime Kriterium für sicherheitskritische Positionen in der aber ist fachliche Kompetenz – nicht Herkunft, Geschlecht oder irgendein anderes Diversitätsmerkmal. Wer diese Grenze verwischt, riskiert dieselbe schleichende Erosion von Standards, die in den USA heute sichtbar wird.

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Das strukturelle Problem bleibt dabei in Europa dasselbe wie in den USA: Auch eine noch so ausgefeilte KI kann keine kompetenten Fachkräfte ersetzen. Sie kann die Arbeit erleichtern, Abläufe optimieren, Lotsen entlasten. Aber wenn die Menschen fehlen, die das System bedienen und im Notfall eingreifen können, ist KI kein überzeugendes Sicherheitsnetz.

Der Preis der Abhängigkeit

KI zur Modernisierung der Flugsicherung ist an sich kein Problem – im Gegenteil. Bessere Vorhersage, effizientere Routenplanung, frühere Konflikterkennung: Das sind sinnvolle Anwendungen. Die Frage ist nicht, ob man KI einsetzt, sondern wie, unter welchen Bedingungen, mit welcher Aufsicht – und von wem.

Und genau hier führt die Geschichte zurück zu Palantir. Ein Unternehmen, das offen erklärt hat, Technologie nicht als Hilfsmittel, sondern als Machtinstrument zu verstehen; das in amerikanischen Ausweisungsdatenbanken, militärischen Zielsystemen und nun möglicherweise im zivilen Luftraum der USA präsent ist; das seine eigene politische Philosophie in einem viralen Manifest veröffentlicht, das zugleich seinen Machtanspruch offenbart – dieses Unternehmen als Schlüssellieferanten kritischer Infrastruktur zu etablieren, verdient mehr als nur eine Ausschreibungsprüfung. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Palantir auch in Europa, auch in Deutschland vielfach bereits eingesetzt wird. Beispielsweise bei der Polizei.

Die Bundeswehr ist in dieser Frage derzeit jedoch bemerkenswert klar. Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr, schloss gegenüber dem Handelsblatt einen Einsatz von Palantir-Software aus: «Das sehe ich momentan überhaupt nicht.» Entscheidend sei dabei auch die Frage, wer die Software bedient – bei der NATO seien es Palantir-eigene Mitarbeiter. «So unvorstellbar ist es eben momentan, Industriemitarbeiter auf den nationalen Datenbestand zuzulassen», sagte Daum. Stattdessen setzt die Bundeswehr auf europäische Alternativen.

Sind die aber per se besser? Das ist keineswegs ausgemacht. Denn auch wenn der von Personen wie George Soros, Klaus Schwab oder Larry Fink dominierte Teil der Tech-Elite, die in Europa noch die Oberhand hat, sich formal über die (zweifellos vorhandenen) autoritären Tendenzen von Karp und Thiel echauffiert: Im Kern bescheren sie uns dasselbe in Grün.

Denn am Ende ist die eigentliche Frage hinter dem SMART-Projekt keine technische. Sie ist in jeder Hinsicht politisch. Zunächst einmal geht es um Bildung und autonom denkende Individuen, die als Fachkräfte souverän die Arbeit von KI-gestützten Systemen zu überwachen und zu steuern in der Lage sind.

Und dann ist da die zweite große Frage: Wie viel Kontrolle über kritische Infrastruktur – Daten, Luftraum, Sicherheitssysteme – sind wir bereit, an private Unternehmen abzugeben, die eigene geopolitische Agenden verfolgen? Wie stellen wir sicher, dass unsere Gesellschaften vom Souverän, dem Volk, regiert werden und nicht von dieser oder jener Ideologie?

Quelle

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